
In den Online-Medien und seit kurzem auch auf den etablierten Nachrichtensendern beflügelt eine Story die Blogger und Journalisten: Der hartnäckige Widerstand eines Chinesischen Haus- und Grundbesitzers, der sein Haus für eine staatliche Baumaßnahme trotz Drohungen der Regierung nicht aufgeben wollte. Grund war seine verständliche Unzufriedenheit mit der mangelhafter Kompensierung und mit dem Verhalten der Behörden. Nun hat die Regierung ihm und seinem Haus im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgegraben - und bald noch mehr.

Staatlich angeordnete Baumaßnahmen werden in China mit einer Rigorosität durchgeführt, die hierzulande vermutlich nur die Umsiedlungsopfer der Braunkohletagebaue kennengelernt haben. Leider fehlt in China jedoch auch die halbwegs gute Kompensationszahlung der RWE. Chinesische Haus- und Grundbesitzer werden mit einer Art von Umsiedlungspauschale abgespeist, die in keinster Weise die Kosten für eine Umsiedlung deckt - geschweige denn den Wert des verlorenen Hauses ersetzt. Eine Einflussnahme auf die Baumaßnahme haben die Bürger auch nicht.

Gegen diese Ungerechtigkeit wehrt sich nun seit einiger Zeit der Chinesische Haus- und Grundbesitzer
Yang Wu mit seiner Frau in der Stadt
Chongqing. Entgegen mehrerer Androhungen von Zwangsenteignung und Schlimmerem sind sie in ihrem Haus, das mitten in einer geplanten Baustelle steht, wohnen geblieben. Die Behörden haben als Trotzreaktion alle anderen Grundstücke, die sich auf dem Gelände der geplanten Baustelle befanden, niederreißen und ausheben lassen. Das Haus steht nun auf einer 12m hohen Insel inmitten einer Baustelle - ohne Strom oder Wasser. Seine Besitzer harren trotzdem weiterhin aus.

Das als "
China's Most Incredible Holdout" oder als "
The Nailhouse Story" bekannt gewordene Geschehnis ist ein Sinnbild für den Widerstand vieler Tausender Chinesen, die wegen des Bauwahns der Regierung zwangsenteignet und und zwangsumgesiedelt wurden. Weil dieser Aufruhr mittlerweile sowohl im Netz als nun auch in den konventionellen Nachrichten immer mehr Aufmerksamkeit erlangt,
hat die Chinesische Regierung eine Nachrichtensperre über das "Nailhouse" verhängt - kein Chinesiches Medium darf nun mehr über die Geschichte berichten. Durch die Popularität des sog. Nagelhauses werden momentan auch immer mehr ähnliche Fälle von ausharrenden Hausbesitzern bekannt - es scheint als wächst das Thema der Regierung trotz Nachrichtensperre und ständiger Polizei (die Fotografieren verhindert) vor Ort über den Kopf.

Yang Wu und seine Frau sind sich im Klaren darüber, daß sie das Haus unmöglich halten können. Ihr Haus hat durch das demonstrative Abreißen und Abbaggern der umliegenden Gebäude bereits
massive Schäden erlitten. Ihnen geht es aber weder um das Haus an sich noch um eine höhere Abfindungssumme - sie haben bereits angeboten, daß sie das Haus sofort aufgeben würden, wenn der Bürgermeister der Stadt sich vor öffentlichen Medien ihren Beschwerden stellt. Ihr Ziel ist klar ein Aufmerksam-Machen auf die miserable Rechtslage Chinesischer Haus- und Grundbesitzer und die unrechtmäßige Vorgehensweise der Regierung. Diese versucht natürlich mit (fast) allen Mitteln genau dies zu verhindern. Daher hat sie Yang Wu nun ein Ultimatum bis zum 10.04.2007 gestellt. Bis zum Ablauf dieser Frist sollen er und seine Frau das Haus verlassen - ansonsten werden sie zwangsgeräumt werden und sollen die Konsequenzen ihrer Handlungen tragen. Dies heißt vermutlich keinerlei Entschädigung für das verlorene Haus und Gefängnis wegen Behinderung des staatlich angeordneten Bauvorhabens.
Yang Wu und seine Frau haben (über einen sicheren Proxy)
ein Blog zu ihrer Situation aufgesetzt. Das Blog hat nur einen Artikel mit dem Titel "Verletzt nicht unsere Rechte!" und beschreibt die kritische Situation Chinesischer Haus- und Grundbesitzer. Der Artikel hat sehr schnell 13976 Kommentare erhalten - dann wurde die Möglichkeit zum Kommentieren abgeschaltet.
(Falls ihr euch fragt, was ein solcher Artikel bei css-petals.net tut: Drauf gestoßen bin ich via RSS-Feed des
Design-Tagebuchs - einem Muss für Web-Designer. Den Willen zum Schreiben darüber hatte ich wegen meiner Beschäftigung mit der
Zensur in China - Die "Nailhouse Story" ist ein wunderbares Beispiel!)
Update am 05.04.2007
Das "Nailhouse" ist
nun abgerissen worden. Die Besitzer des Hauses
sind laut Medien mehr als vereinbart entschädigt worden und haben daraufhin das Haus aufgegeben. Von ihnen gibt es seitdem keine Kommentare gegenüber der Presse oder sonstigen Berichterstattern. Ein Symbol für den Widerstand bleibt das Haus trotzdem bzw. gerade deßwegen.
Geschrieben am 31.03.2007
Sehr interessant! Auch die Arbeit, die du dir gemacht hast. Allerdings werde ich das Favicon nicht verwenden, damit ich Scroogle nicht mit Google...
- isinkwa