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24C3: Filme über die Zeit nach der Privatsphäre

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Verrückte Eier und Klickgeschichten - Oder: Usability-Testing

Usability-Day LogoImmer mal wieder (oft auf gesellschaftlichen Events) muss ich mir Phrasen anhören wie "Webdesigner braucht man in ein paar Jahren eh nicht mehr! Jedermann kann doch schon heute mit Programmen seine eigene Website bauen...". Wir alle wissen natürlich, dass dies nicht stimmt und dass es mehr als irgendein Programm erfordert, um Websites zu erstellen. Wir bauen Websites an Hand unserer immer weiter wachsenden Erfahrung mit Benutzern, unseres wachsenden Verständnisses ihrer Bedürfnisse und unserer wachsenden Kompetenzen. Wer Usability ernst nimmt, der braucht aber entweder ein Testlabor und viele bedruckte Kaffeetassen zum Verschenken oder die richtigen Werkzeuge am richtigen Platz um Websites auf Benutzerfreundlichkeit und Effizienz zu testen. Da ich Teetrinker bin, offeriere ich euch hier die Werkzeugliste.

Auch wenn Google uns als Web-Affinen gerne das "Rundum-Sorglos" Paket anbieten möchte, so glaube ich noch daran, daß ein auf eine bestimmte Dienstleistung spezialisierten Service mir mehr bieten kann als ein "One Size Fits All" Unternehmen. Daher habe ich mich mit Google Analytics nicht zufrieden gegeben und nach anderen Tools zur Analyse der Frequentierung und Nutzung der eigenen Websites umgeschaut.

Screenshot CrazyEgg Interface Bereits vor einem Jahr bin ich dabei über CrazyEgg gestolpert. CrazyEgg benötigt um vernünftig Benutzerverhalten auf der Zielwebsite erfassen zu können, eine Javascript-Bibliothek, die per einfacher Verlinkung in z.B. der index.php aufgerufen wird. In zwei sehr einfachen Schritten kann der Webseitenbetreiber sich für eine Website dieses kleine Stück Code erstellen lassen. Dann nur noch Code einfügen, hochladen und los gehts!

CrazyEgg speichert Clicks aller Benutzer (außer wenn man z.B. sich selbst per speziellem Cookie vom Test ausgenommen hat) und stellt die gemachten Clicks in verschiedener Art und Weise dar. Möglichkeiten sind ein hübsches Overlay mit eingefärbten Icons, die Clickhäufigkeit symbolisieren, eine einfache Liste mit tabellarischer Auflistung, eine fast klassische Heatmap, welche die Website ausgraut und auf den Punkten, wo Benutzer oft clicken, dementsprechende Farbflecken setzt sowie (ganz neu) die "Confetti-Ansicht" die auch User-Agent u.ä. anzeigen kann.

CrazyEgg ist clever genug geschrieben, um Aufrufe von Bots/Spiders etc. auszufiltern und funktioniert erfahrungsgemäß recht zuverlässig. Das Interface selbst ist zwar stark Web2.0ig, aber prinzipiell hübsch und gut zu bedienen. Accounts bei CrazyEgg sind kostenlos bis zu 5000 Aufrufen pro Monat und 4 gespeicherten Testläufen (Usability-Test Snapshots die später wieder aufgerufen und betrachtet werden können). Für größere Projekte sind kostenpflichtige Accounts von Nöten. Upgrades des Services erhalten trotzdem alle Benutzer von CrazyEgg - Es gibt also keine funktionseingeschränkte kostenlose Testversion wie bei vielen anderen Web-Apps.

Screenshot Clicktale-InterfaceVor kurzer Zeit wurde ich dann als Closed-Beta Tester für Clicktale ausgewählt (mittlerweile ist Clicktale offiziell verfügbar!). Der Clicktale-Service geht in Sachen Usability-Analyse Möglichkeiten einen großen Schritt weiter als CrazyEgg. Sie zeichnen nicht nur Clicks oder Hovers des Benutzers auf, sondern verfolgen die gesamte Mausbewegung der Benutzer. So lässt sich sehr gut nachvollziehen, welche Menüpunkte Benutzer interessant finden, wie sie interaktive Elemente auf Websites wahrnehmen, welche Texte sie lesen, ob und welche Arten von Links sie öffnen und welche nicht etc. Als Administrator sieht man einen kompletten Flash-Film, der die eigene Website zeigt und die Maus des Benutzers als Quadrat rendert. Als Bonus gibt es Tabellen über User-Agents, Referrer, Pageviews uvm.

Nachteile von Clicktale liegen in dem komplexeren Setup auf der eigenen Seite, non-standardkonformen Quellcode für die include-Codes, recht komplizierten Interfaces, doppeltes Einloggen beim Wechsel zwischen Interface- und Film-Servern, Unfähigkeit Tab-Öffnungen zu folgen und Anderes. Dafür bietet die Video-Verfolgung der Mausbewegungen eines Lesers jedoch Einblicke in Usability, die simple Click-Statistiken nicht bieten können. Auch für Clicktale gibt es übrigens kommerzielle Pakete für Power-User.

Sowohl CrazyEgg als auch Clicktale geben keinerlei Informationen über die Benutzer preis, die zu einer Identifizierung führen könnten. Bei Clicktale werden die beobachteten Benutzer sogar per Zufall ausgewählt. Um Datenschutzprobleme müsst ihr euch also beim Einsetzen dieser Services nicht sorgen.

Beide Services helfen, das Verhalten von Benutzern auf Websites zu analysieren. Mit ein wenig Überlegung und Erfahrung lassen sich daraus brauchbare Verbesserungen für diese Websites schließen, die dann je nach Bedarf bald, beim nächsten kleinen oder großen Redesign oder im nächsten Projekt eingesetzt werden können. So werden Websites auf Dauer immer besser für die Benutzer - und das sollte unser aller Ziel sein!

Geschrieben am 28.06.2007

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