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Hey super! Danke für den Tipp. Ich schau es mir gerade mal an.
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23C3 - Vorratsdatenspeicherung in der EU

Ein Welt, in der alle eure Mails, alle eure IPs, alle eure Seitenaufrufe, alle Instant-Messaging Protokolle, alle Anrufe per Telefon und Handy und alle Faxe für viele Monate gespeichert werden. Verrückt? Leider aber Realität. Heute werden diese Daten 6 Monate, in der Zukunft aber bis zu 24 Monate aufbewahrt.

ISPs haben kein Interesse daran, all die Daten ihrer Benutzer zu speichern. Sie wollen einen Vertrag mit dem Kunden und dessen Geld für ihre Dienstleistung. Spionage ist nicht ihr Metier. Die Regierungen der Europäischen Union jedoch haben schon seit langem die Vorratsdatenspeicherung voran getrieben und nach technischen Möglichkeiten der Massendatenspeicherung gesucht.

Die Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung verlangen von den Kommunikationsdienstleistern ein Speichern von Telefon- und Internetverbindungen. Zugewiesene IP-Nummern, angerufene Telefonnummern - auch wenn der Gegenüber nicht erreichbar ist - und Faxnummern werden gesichert. Die Sicherung des Contents - der Inhalte dieser Verbindungen - muss nicht von den Dienstleistern durchgeführt werden. Jedoch gibt es in den meisten  europäischen Ländern  bereits staatliche Systeme, die z.B. Mails automatisch nach Schlagworten durchsuchen.

Wer gerne anonym sein möchte, kann noch in ein  Internet-Café gehen. Falschangaben bei der Registrierung einer eMail-Adresse bei einem Freemail-Service-Provider (GMX, Web.de) ermöglichen noch das Mailen ohne die eigene Identität preiszugeben. Doch in diesen Bereichen gibt es bereits größere Anstrengungen von staatlicher Seite - so sollen in der Zukunft einmal Personen ihren RFID-ausgestatteten ePass vorlegen, wenn sie einen PC in einem Internet-Café benutzen wollen. Dies wird von Café-Betreiber gespeichert. Auch Freemail-Provider sollen in der Zukunft durch Verlangen von Personalausweisen sicherstellen, daß ihre Kunden auch eindeutig realen Bürgern zuweisbar sind.

Auch anonymisierende Netzwerke wie z.B. TOR sollen in der Zukunft allen über ihre Nodes geschleusten Traffic loggen. Dies stellt eine absolut ironische Forderung für ein anonymisierendes Netzwerk dar. Alle gesammelten Daten sollen auf Verlangen "qualifizierten Behörden" übergeben werden. Diese lasche Formulierung in den Gesetzen zur Vorratsdatenspeicherung ist durchaus fragwürdig.

Auch Session-Logging ist bei mehr&mehr Staaten in der EU auf der Agenda. So sollen sich auch private Sitzungen eines Benutzers auf einer Webseite nachvollziehen lassen.

Auch die zugewiesenen IPs für öffentliche Hotspots sollen geloggt werden sowie sämtliche Verbindungen an diesen Hotspots. In Kombination mit den verschärften Gesetzen zur Mithaftung bei illegaler Aktivität am eigenen WLAN-Hotspot formt sich hierbei der Eindruck, daß die europäischen Staaten ein starkes Interesse daran haben, vom offenen freien System des Internets zu einem absolut kontrollierten Kommunikationssystem zu gelangen.

Die gesammelten Daten können jederzeit von Behörden eingesehen werden. Offiziell soll dies nur bei starken Verdachtsfällen geschehen - jedoch gibt es keinerlei Kontrolle darüber, welche Datensätze analysiert werden. Kein Bürger wird darüber in Kenntnis gesetzt, daß er/sie und seine/ihre Daten Objekt einer staatlichen Untersuchung sind.

Immer wieder versuchen öffentliche Stellen der Staaten die Entwicklungen schön zu reden. Oft ist das arme Argument "Wer nichts zu verbergen hat ..." das einzige, was diese jedoch äußern können. Diese sog. "Verbesserungen zur inneren Sicherheit" scheinen jedoch auf lange Sicht nicht den fragwürdigen "War against Terror" mit gewinnen zu können, sondern sich gegen die Massen der eigenen Bürger zu wenden, deren Steuern und Interessen eigentlich hätten vertreten werden sollen. Eine Implementierung solcher Überwachungsorgane kann nur schädlich für die Demokratie und die freie Meinungsäußerung sein - vor allem weil sie so gut wie unmöglich wieder abzuschaffen sind, wenn sie einmal in Betrieb sind.

Die Argumente für die Fortsetzung der Vorratsdatenspeicherung durch die Staatsorgane sind quasi beliebig austauschbar. Auch die verstärkte Sammlung von Fahrdaten, Fingerabdrücken und Bahntickets (siehe England) sorgt für ein flaues Gefühl in der Magengegend.

Hier erfahrt ihr mehr über diesen Vortrag!

Update

Der CCC hat nun alle Video-Mitschnitte der Vorträge beim 23C3 veröffentlicht. Hier findet ihr das Video zu diesem Vortrag!

Geschrieben am 28.12.2006

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