TOR ist ein anonymisierendes Netzwerk das komplett in OpenSource vorliegt. Es ist zur Zeit wohl das größte Netzwerk seiner Art und wird von verschiedenen Organisationen für wichtige Kommunikation genutzt. Obwohl es ein anonymisierendes Netzwerk ist, kann die aktuelle Benutzeranzahl auf mehrere hundertausend Benutzer geschätzt werden. Bei einem Rating der Top hundert Produkte in 2006 wurde TOR auf Platz 40 gevotet - noch vor der Wikipedia oder dem iPod.
TOR leitet Anfragen für Webseiten u.ä. über mehrere Nodes hinter einander. Jede Node kennt nur ihren linken und rechten nächsten Nachbarn - so daß wenn die Anfrage über mehrere Nodes geschickt wird, auf dem Weg schlicht "vergessen" wird, wer was anfragt.
TOR wird in China bereits genutzt um die Blockierung von Webseiten zu umgehen. Noch werden die TOR-Nodes nicht alle geblockt - jedoch wäre es für die chinesische Regierung sehr einfach dies zu tun und es sieht stark dannach auch, daß dies auch bald geschehen wird. Die Regierung könnte die volle Liste aller aktiven TOR-Nodes holen und alle blockieren oder nach eindeutigen Traffic-Formen suchen, die einen TOR-Server identifizieren und diese dann blockieren.
Leider haben sich in der Vergangenheit Angreifer, die zensierende Interessen haben, immer als sehr stark herausgestellt. Daher braucht TOR sehr gute Methoden, um die mögliche Zensur zu verhindern. Die Chinesische Regierung ist nicht besonders aktiv wenn es darum geht, unverschlüsselt oder verschlüsselt blockierte Webseiten zu lesen. Falls es auffällt, daß ein Chinesischer Benutzer eine "unmoralische" Webseite liest, wird diese höchstens auf die Blacklist für zukünftiges Blocken gesetzt - dem Bürger passiert jedoch nichts. Problematisch ist das Weiterverbreiten von solchen gelesenen Informationen. Blogger u.ä. werden in China wie Schwerverbrecher behandelt. Wenn es darum geht, eine solche "unmoralische" Webseite zu blockieren, ist die Chinesische Regierung auch ziemlich rücksichtslos. Blockieren sie aus Versehen beim Blocken 15.000 andere Seiten, ist dies ihnen ziemlich egal - "Block'em all!"
Trotz des angeblichen Kommunismus in China sind es westliche Firmen, die gegen sehr viel Geld immer neue Techniken zur Zensur des Chinesischen Internets entwickeln. So z.B. die Firma Cisco, die einen Dauervertrag mit der Chinesischen Regierung hat. "Hey, we just came up with something to censor your citizens even better!"
TOR ermöglicht in vielen Situationen, diese Blockaden zu umgehen. Leider gibt es aber auch Probleme in China, die TOR nicht lösen kann. So gibt es Berichte, daß in Wohnungen eingebrochen wurde und auf dortigen Computern Spionagesoftware installiert wurde. Solche Angriffe kann kein Netzwerk verhindern.
Trotz all dem ist TOR das größte und aktivste Netzwerk. Unterschiede sind, daß die Software frei verfügbar ist, daß Bandbreite von der Community kommt und nicht teuer gekauft werden muss, daß Benutzer verschiedene Arten von Servern aufsetzen können um dem Netzwerk zu helfen und daß verschiedene Projekte im Forschungsbereich und im OpenSource Bereich TOR immer weiter verbessert.
Die TOR-Webseite ist in vielen Ländern geblockt - so u.a. China, Thailand, Ägypten und Tunesien. Das TOR-Netzwerk wird bis dato jedoch noch nirgendwo geblockt. Warum? Weil es nur einige tausend Benutzer pro zensierendem Staat gibt. Dies ist in den Augen der Regierungen gar nichts. TOR hat nämlich einige größere Probleme: Es gibt keine Sprachversionen in den wichtigen Sprachen der zensierenden Staaten. So gibt es kein TOR in Chinesisch, Arabisch, Farsi o.ä. Auch die Usability ist noch sehr schlecht. TOR aufzusetzen wird zwar immer einfacher - jedoch ist es bis jetzt immer noch verhältnismäßig kompliziert für unerfahrene Benutzer. So könnte eine Arbeiterin in einer Chinesischen Fabrik nicht einfach über TOR in ihrem Blog über schlimme Geschehnisse an ihrem Arbeitsplatz berichten, da es noch zu schwer für sie ist, TOR zu benutzen.
In der Zukunft soll TOR via einem schönen einfachen Button á la "TOR for Freedom" einfach z.B. 10kb Bandbreite des Benutzers an das TOR Netzwerk geben. Diese Funktion sollte natürlich nicht als Exit-Node funktionieren, sondern als "Bridge" - ein weiterer Verbindungsknoten in der Reihe von TOR-Nodes. Die Grundidee ist, daß TOR einfacher für die Benutzer werden muss - und das auf allen Ebenen. Nodes müssen einfacher gefunden werden, das Interface muss verbessert werden, der Fingerprint des TOR-Datenstroms muss unauffälliger gestaltet werden um nicht so leicht blockbar zu sein und die TOR-Liste aller Nodes muss vor zensierenden Regierungen geschützt werden.
Positiv zu bemerken ist, daß das TOR-Projekt in China eigentlich in der Rolle des Angreifers ist - was für ein solches Netzwerk eine seltene Position ist. Das TOR-Netzwerk muss nur eine einzige Methode finden, um die Filterung durch China zu umgehen - wohingegen die Chinesische Regierung versuchen muss, alle möglichen Lücken bei der Zensur zu stopfen. TOR kann sich mehrere Lücken zurecht legen und diese nach einander ausnutzen je nachdem wie schnell die Chinesische Regierung die genutzte Lücke stopft. Diese Rolle als Angreifer ist für das TOR-Projekt ermutigend.
Das TOR-Projekt braucht natürlich für all diese guten Ziele Unterstützung: Portierung in andere Sprachen, Mehr Nodes (einfach Downloaden + Starten) und Spenden werden dem Projekt sein Überleben sichern. Am Ende der Vorlesung erhielt das TOR-Projekt bereits eine Spende von 1000,- Dollar vom FoeBuD. Auch die Berichterstattung über negative Entwicklungen in der Industrie und Politik sind wichtig. So erhielt Yahoo sehr viel negatives Feedback als bekannt wurde, daß sie mit der Chinesischen Regierung zusammen arbeiten. Blogger und andere Schreiberline sollten solche Entwicklungen nicht unkommentiert lassen.
Hier erfahrt ihr mehr über diesen Vortrag!
Update
Der CCC hat nun alle Video-Mitschnitte der Vorträge beim 23C3 veröffentlicht. Hier findet ihr das Video zu diesem Vortrag!Außerdem hat uns unsere Berichterstattung über diesen Vortrag auf die Blacklist der Chinesischen Regierung katapultiert! Mehr dazu in diesem Artikel!
Geschrieben am 28.12.2006




Ja, auch von mir herzliche Glückwünsche! Die Seite ist wirklich toll. Das minimalistische Design passt auch deshalb so toll weil es hier...
- Markus