Newsfeeds sind ein Geschenk des Himmels und der Nachrichtenweg der Zukunft. Wer jedoch einmal von der zentralen Nachrichtenflut angefixt wurde, kommt schnell in die Versuchung, wirklich jedes interessante Blog in den eigenen Newsreader zu packen. Dies führt zum "Information Overload" - Zu viele Nachrichten in zu kurzen Intervallen zerstören die eigene Produktivität. Nun sollen Web-Apps es den Lesern ermöglichen, nur noch die wichtigsten Nachrichten mitgeteilt zu bekommen.Um Nachrichten-Lesern möglichst viele qualitative Nachrichten (Signal) und möglichst wenig Rauschen (Noise) zu bieten, haben sich zwei Internet-Services ganz nach Web2.0-Manier aufgemacht, diese Aufgabe zu bewältigen: AideRSS und FeedHub. Dabei wählen die beiden jedoch recht unterschiedliche Ansätze.
AideRSS macht sich crowd wisdom zunutze: Es werden große Web2.0 - Popularitätschecker wie del.icio.us, digg und Technorati konsultiert und dort überprüft, wie gut vertreten ein Artikel einer bestimmten Website ist. Falls dieser oft verlinkt wurde und oft gediggt wurde, wird ihm eine hohe Popularität attestiert und er rückt in der Relevanz-Tabelle nach oben - Vice Versa selbstverständlich auch.
Wenn man AideRSS nun also ein bestimmten Feed gibt, erhält man nur die vermeintlich spannendsten Nachrichten dieses Feeds. Alle eigenen aggregierten Feeds durch AideRSS zu schicken, resultiert also theoretisch in einer starken Reduktion der Noise und in einer Qualitätsaufwertung des Signal.
Leider holt sich AideRSS mit crowd wisdom auch crowd stupidity mit ins Boot: Besonders aktuelle Nachrichten oder Insider-News werden nach dem System von AideRSS zumindest vorerst unter den Teppich gekehrt werden.
FeedHub wählt einen redaktionelleren Ansatz, wie man ihn z.B. von Pandora kennt: Man nennt dem System von FeedHub mit Hilfe des eigenen OPML-Files (Datei, die eine Tabelle aller eigenen abonnierten Feeds enthält) die eigenen Nachrichten-Präferenzen. Das System sucht daraufhin blackboxartig Nachrichten heraus, die für die eigenen Interessen von Relevanz sein könnten. Dabei sollen die Leser auch immer informiert werden, wie FeedHub dazu kam, genau diese Nachricht als relevant einzustufen und die Leser sollen auch ihre eigenen Präferenzen dynamisch ändern können, um den Output von FeedHub feiner zu justieren.
Rein konzeptuell halte ich es nicht für erstrebenswert, einer zentralen Anlaufstelle, die von Dritten verwaltet wird, meine gesamten Präferenzen in Sachen Nachrichten anzugeben: Neben der eigenen Präferenz von bestimmten Karikaturen und dem Kreuz in der Wahlkabine meines Wahlkreises gibt es wohl kaum etwas persönlicheres als Nachrichten - Insbesondere wenn man noch genau angibt, auf welchen Nachrichten man am längsten verweilt!
Viel sinnvoller als die Web2.0-Lösung über Drittanbieter mit der Gefahr des Verlusts wirklich spannender Nachrichten halte ich eine Lösung über die eigene Newsreader-Software: Unter Linux entwickeln die populärsten Newsreader-Programme mittlerweile Möglichkeiten, Nachrichten zu bewerten und zu taggen. Mir persönlich gefiele - wie der lernende Thunderbird Spamfilter - ein ständig lernender Newsreader am besten.
Das Programm könnte z.B. automatisch Tags sammeln, die via XML-Newsfeed an es gelangen und messen, wie lange durchschnittlich der Benutzer eine Nachricht mit einem bestimmten Tag betrachtet. Außerdem sollte der User die Möglichkeit haben, ganze Newsfeeds und einzelne Nachrichten via 5-Star-Rating Bar mit einem Click zu bewerten und mit einem einfachen Eingabe-Feld manuell zu taggen.
Nach einer Lernphase zu Beginn sollte man dann im Newsreader die Nachrichten nicht nur nach Quelle und Datum, sondern auch nach errechneter Relevanz sortieren können. Weitere Zeit zum Training des eigenen Newsreaders brächte dann auf Dauer immer relevantere Nachrichten immer weiter nach oben in der Liste ungelesener News - aber als unwichtiger eingestufte Nachrichten gehen nicht einfach verloren. Die Newsreader-Software läge außerdem als OpenSource vor und würde die eigene Präferenz-Datenbank gegen unbefugten Zugriff verschlüsseln.
Somit wären alle Probleme gelöst: Man erhält eine Art Vorsortierung von Nachrichten, schützt die eigene Privatsphäre und verliert trotzdem nicht potentiell wichtige Informationen an eine schlecht programmierte Logik eines Web2.0-Services.
Geschrieben am 18.10.2007




Für die Neugierigen: Seit der Implementierung der Botquestion-Funktion in meinem CMS BeautifyWeb und damit auch diesem Blog ist kein einziger...
- Tobias