XHTML: Tod eines Schaustellers
Das W3C hat verkündet, dass es die XHTML2 Working-Group im nächsten Jahr nicht mehr geben wird: Damit ist das Schicksal von XHTML2 besiegelt und HTML5, welches bereits in den neuesten Versionen aller Browser unterstützt wird, setzt sich damit als De Facto Standard für zukünftiges Web-Design durch. Dabei handelt es sich um eine Entscheidung, die von vielen Developern begrüßt wird.Mit "Exciting times, people!" wird in der Developer-Community die aktuelle Entwicklung der Webstandards und die Abkehr von XHTML2 kommentiert. Niemand scheint den Tod von XHTML2 zu betrauern. Im Gegenteil: Jetzt wo die Fakten geschaffen sind, finden sich schnell Developer, welche, ganz in der Tradition von Historikern und deren "Postmortaler Klugscheißerei" (Schütz), behaupten, dieser Schritt sei längst überfällig gewesen.
Die Argumente der verschiedenen Befürworter dieser Entscheidung ähneln sich stark: Die XHTML2 Working-Group sei ineffizient gewesen, die Vorstellung der XHTML2-Verfechter, dass alle Browser-Hersteller das zu XHTML1.1 inkompatible XHTML2 bedingungslos aufnehmen sei illusorisch und die Spaltung des W3C 2006 im Bezug auf die Entwicklung von HTML5 habe ausreichend gezeigt, dass XHTML2 eigentlich unerwünscht sei.
Betrachtet man jedoch die Kehrseite der Medaille, werden die Konsequenzen der Entscheidung gegen XHTML2 deutlich: Eine große Hoffnung für das semantische Web wird begraben - XHTML2 hätte valides Markup erzwungen und die vielen Fehler der alten Implementierungen beseitigt. Gewonnen hat der Protégé der großen Konzerne, welche bereits 2006 das W3C bewusst zu schwächen suchten, Splittergruppen bildeten um eigene Interessen zu verfolgen anstatt sich innerhalb der unabhängigen Instanz des W3C zu arrangieren und damit deutlich machten, dass sie keinen Respekt vor der eigentlichen Arbeit des W3C haben.
Der Sieg von HTML5 über XHTML2 ist gleichzeitig der Sieg der Firmenwelt über die einstmals vorherrschende Kraft in den Reihen des W3C: Philantropie. Die Unabhängigkeit von Webstandards kann nicht mehr gewährleistet werden und es ist unabwendbar, dass zukünftig große Konzerne immer mehr Einfluss auf die Proposals des W3C nehmen werden, um ihrer eigenen Agenda dienlich zu sein - Diese "Exciting times" schmecken bitter.
Geschrieben am 04.07.2009




Danke ihr seit echt klasse ;)
- René