Im September 2007 begann für mich die Suche nach dem ultimativen mobilen Arbeitsgerät. Mein alter 15"-Acer war einfach zu groß und schwer geworden, um als täglicher Begleiter in unterschiedlichen Taschen mit dabei zu sein. Kriterien waren in absteigender Wichtigkeit:
- Größe
- Gewicht
- Alltagstauglichkeit und sinnvoll angelegte Tastatur & Trackpad trotz kleinem Formfaktor
- Linux-Kompabilität
- Akkulaufzeit
- Onboard-Grafikchip mit geringer Leistungsaufnahme und OpenSource-Treibern
- Auflösung und Farbwiedergabe des Displays
- Betriebsgeräusche
- Design & Aussehen
- Verfügbare Anschlüsse
- Hackability
Nach drei Monaten gehörten folgende Laptops zu den finalen Kandidaten: Asus U1F, Samsung Q40-Pro, Samsung Q35, Toshiba Portégé R500 und das Sony Vaio TZ21MN/N. Nicht einer von all diesen Laptops erfüllte alle meine Ansprüche in allen Bereichen. Es galt also, den idealen Kompromiss zu finden.
Das Asus U1F flog raus weil es sehr heiß im Bereich der Tastatur wurde, der Lüfter permanent lief und seine Linux-Kompabilität fraglich war. Das Samsung Q40 war zwar klein und lüfterlos (!), aber dafür auch ganz schön schwach auf der Brust was Leistung anging. Das Samsung Q35 hätte es fast geschafft - Hätte ich da nicht eine spannende Entwicklung entdeckt: Neukunden lobten in Foren das Gerät über alle Maßen, aber Besitzer des Q35, die länger als zwei Wochen mit dem Laptop arbeiten mussten beschwerten sich über eine übermäßig laute Festplatte und unangenehme Hitzeentwicklung. Ausserdem seien einzelne Tasten der Tastatur seltsam angeordnet und würden den Schreibfluss behindern. Das Toshiba Portégé R500 war in vielen Bereichen offenbar genau mein Ding, allerdings war der Preis einfach viel zu hoch.
Nach der Entdeckung der Nachteile des Samsung Q35 beschloss ich folgende Regel: Lieber etwas mehr Geld ausgeben und sich die nächsten 2-3 Jahre am Gerät erfreuen anstatt einmal mehr zum Pfennigfuchser zu werden und die nächsten Jahre auf einem Gerät arbeiten, an dem mir nur dessen Nachteile, nicht aber dessen Vorteile auffallen (der Fluch, gut informiert zu sein!). Daher entschloss ich mich zum Kauf des Sony Vaio TZ - obwohl es zu dieser Zeit noch etwas über meiner eigentlichen preislichen Obergrenze lag.
Das Vaio TZ21MN/N wird standardmäßig mit einem Ultra Low Voltage Intel Core 2 Duo Prozessor mit 1.06 GHz (U7500), 1GB DDR2 RAM @ 667MHz, Intel 950 onboard Grafik, DVD-Laufwerk und 100GB 1.8" ZIF-Harddrive von Toshiba und Microsoft Windows Vista Business Edition ausgeliefert. In dieser Konfiguration kostet es zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels rund 1385,- EURO.
Das Vaio TZ21 ist auf beiden Seiten durchschnittlich 2cm kleiner als eine normale DinA4-Seite und zwischen 2-3cm dick. Es wiegt 1.1Kg. Sein Lüfter ist extrem leise und erzeugt kaum wahrnehmbare Vibrationen am Gehäuse. Im Idle-Modus muss der Lüfter nicht einmal anspringen. Mit diesen Features hatte das Vaio TZ21 schon einige wichtige Hürden auf meinem Kritierien-Katalog genommen.
Sehr wichtig war für mich die Linux-Kompabilität. Wer auf solch einem eleganten und schlanken Gerät ein unbeholfenes Riesenbaby wie Windows Vista betreibt, ist sein Unglück selbst schuld. Da ich schon seit mehr als zwei Jahren ausschließlich mit Ubuntu-Linux arbeitete, kam eine andere Wahl gar nicht in Frage. Das meiste des Geräts läuft problemlos unter Ubuntu. Dies trifft sowohl unter 7.10 Gutsy Gibbon als auch der 8.04 Hardy Heron von Ubuntu zu. Die Soundkarte braucht eine kleine extra-Zeile in einer Datei, um Suspend-To-Ram erfolgreich durchzuführen. Der eingebaute Ricoh-Speicherkartenleser funktioniert dank Ricoh unter Linux nicht. Ausserdem funktionieren das eingebaute Mikrofon sowie die WebCam nicht ohne einige Arbeit unter dem 64Bit-Kernel. Kamera und Mikrofon hätte das Vaio meinetwegen nicht einmal eingebaut haben müssen!
Die Akkulaufzeit des Vaio ist grandios. Bis zu sechs Stunden je nach Belastungsgrad hält eine Akkuladung. Damit ist tatsächliches mobiles Arbeiten möglich. Zu so manchem Treffen oder geekigen Abend nehme ich schon gar kein Netzteil mehr mit. Natürlich dauert es ein wenig, einen so kraftvollen Akku bei Netzbetrieb wieder voll aufzuladen, aber es lohnt sich.
Grandios ist auch das Display: Auf 1366x 768 Pixeln bei 11.9" Bildschirmdiagonale ist reichlich Platz für Desktop-Icons, Programmfenster und ernsthaftes Grafikdesign. Letzteres ermöglicht eine Farbechtheit des LED-beleuchteten Displays von über 72%. Diesen Wert erreichen viele der heutigen Desktop-Flachbildschirme nicht. Durch die LED-Hintergrundbeleuchtung kann ich das Display z.B. bei direkter Sonneneinstrahlung so hell einstellen, dass ich problemlos die Inhalte auf dem Bildschirm erkennen kann.
Viele Kleinigkeiten sind beim Vaio TZ21 ebenfalls einfach "richtig" gemacht und vereinfachen das mobile Arbeiten: Die Position der Soundkarten-Ausgänge, die Aufteilung der Ports, die einfache Erreichbarkeit der USB-Schnittstellen uvm.
Ich will natürlich auch nicht die Probleme des Vaio TZ21 verheimlichen: Die gesamte Tastaturinnenfläche ist mit Hochglanzlack veredelt, der jedoch Schmierer, Fingerabdrücke, Kratzer und Staub anzieht wie ein Magnet. Täglich reibe ich diese Fläche mit einem kleinen Tuch ab. Die RJ45-Buchse (LAN) sowie Modem und Firewire befinden sich hinter einen Plastikklappe, die erst aufgemacht werden muss und dann an einem schwächlich wirkenden Ende herumhängt. Hier hat das Design über die Funktionalität gesiegt. Der VGA-Port hat keine Schraublöcher, so dass eingehende Beamerkabel o.ä. nicht verschraubt werden können. Inwiefern dies ein Feature und kein Bug ist, muss jeder für sich entscheiden. Das Vaio TZ21 hat an seiner Frontseite einige Knöpfe für den sog. AV-Modus (Präsentationen und Videos ohne Betriebssystem anschauen). Dummerweise benötigt der AV-Modus die vorinstallierte Windows-Vista Partition auf der Festplatte.
Um die Leistungsfähigkeit des Vaio TZ21 noch zu verbessern, habe ich zwei Upgrades gemacht: Den 1GB-RAM Riegel gegen einen 2GB-Markenriegel getauscht (50,- EURO Zusatzkosten). Das war innerhalb von 3 Minuten während einer Bahnfahrt erledigt. Das zweite Upgrade war wesentlich kniffeliger: Eine der z.Z. schnellsten und verfügbaren Solid-State Festplatten, die Sandisk 5000 SSD mit 32GB Kapazität in den Laptop einbauen (ca. 350,- Euro Zusatzkosten). Ein so durchdachtes Subnotebook zu öffnen, ohne Schäden zu hinterlassen und sich dann noch mit einem Toshiba ZIF-Stecker (meiner Meinung nach einfach eine Erfindung damit Menschen nicht mehr Geräteteile selbst austauschen können!) herumzuschlagen, war ... "spannend".
Der Einbau der SSD hat sich allerings gelohnt. Keine Wärmeentwicklung, keine Betriebsgeräusche, ca. 1 Watt Leistungsaufnahme und über 60MB/Sek. durchschnittliche Datenauslese-Rate. Der Unterschied ist deutlich spürbar. Der Kaltstart eines modifizierten Ubuntu mit einigen Veränderungen bei den Kernel-Modulen dauert nun ca. 20 Sekunden.
Mehrere ältere Tests, die das Sony Vaio TZ21MN/N Subnotebook nach seinem Erscheinen geprüft hatten, hielten dem ULV Prozessor mit 1.06GHz zu wenig Leistung unter Belastung vor. Dies mag unter Windows Vista wahr gewesen sein. Unter meiner 64Bit-Ubuntu Distribution merke ich allerdings davon nichts: Ohne Problem kann ich hier gleichzeitig Musik hören, die neueste Ubuntu-Distribution herunterladen, Firefox 3.0 mit ca. 20 offenen Tabs, Thunderbird 2.0, Liferea Feed-Reader, den Pidgin-Instant-Messenger und den GiMP zur Bildbearbeitung laufen haben ohne mich fragen zu müssen, ob ich nicht besser eines der Programme schließen sollte.
Das Vaio TZ21MN/N ist nach Erscheinen des MacBook Air und des Lenovo X300 (beide kamen einige Zeit später als das Vaio auf den Markt) gegen diese beiden getestet worden. Das MacBook Air hat in so ziemlich allen wichtigen Bereichen gegen das Vaio TZ21 verloren. Das Lenovo X300 hat das Vaio zwar geschlagen, ist dafür allerdings auch wieder rund 800,- Euro teurer als das getestete Vaio TZ21 und sieht längst nicht so schick aus. Mit einer festen ledernen Schutzhülle, die extra auf die Vaio TZ-Serie zugeschnitten ist, ist das Vaio ein absoluter Hingucker.
Meiner Meinung nach ist das Vaio TZ21MN/N der absolute Gewinner der oberklassigen Subnotebook-Kategorie. Natürlich sind die aktuellen Berühmtheiten wie der EEE-Pc von Asus oder der mit Spannung erwartete MSI-Wind um ein Vielfaches billiger, doch als einziges Arbeitsgerät zum täglichen Gebrauch möchte ich keinen von ihnen benutzen müssen. Wer ein echtes mobiles Arbeitsgerät sucht, ist mit dem Sony Vaio TZ21 wirklich sehr gut beraten - besonders da es dank dem Lenovo X300 u.ä. momentan im Preis gefallen ist.
Geschrieben am 01.06.2008




Sehr interessant! Auch die Arbeit, die du dir gemacht hast. Allerdings werde ich das Favicon nicht verwenden, damit ich Scroogle nicht mit Google...
- isinkwa