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Die Aussteiger

Logos von Social-NetworksEs gibt sie, die Leute die ihren moralischen Überzeugungen Taten folgen lassen. Der tugendhaften Abstinenz von Shell (Vetreibungen und Verseuchungen in Afrika) und Lidl (Diskriminierung von Mitarbeitern) ist nun eine weitere Tugendhaftigkeit hinzugekommen: Der Ausstieg aus Social Networks.

Jede/r der/die seine/ihre Privatsphäre schätzt und sich ein wenig mit dem Netz auskennt, hat es beim gemütlichen Zusammensein bei uns bereits geäußert: "Eigentlich müssten man ja aussteigen!". Dabei ging es um die be-/verschrienen Social Networks wie StudiVZ, Facebook oder XING.

Langsam macht sich bei mehr & mehr Leuten das Bewusstsein breit, dass ihre Daten bei den Betreibern diverser Social Networks nicht wirklich gut aufgehoben sind. Zu schnell und zu oft werden solche Unternehmen samt Datensätzen aufgekauft und in größere Netze integriert, Datensätze einzeln verkauft oder gestohlen oder in sonstiger Form nicht verantwortungsbewusst mit ihnen umgegangen.

Nach einem solchen Erkenntnisabend haben wir mit allen Gästen "Nägel mit Köpfen" gemacht und uns sämtlicher Social-Network Accounts entledigt - zumindest überall dort, wo eine rückstandslose Löschung der eigenen Daten möglich war. Bei einigen Netzwerken (u.a. Facebook und Xing) war eine Reihe eMails von Nöten, die in ihrem Ton zunehmend schroffer wurden - Letztendlich waren aber auch diese Hindernisse überwunden & die eigenen Daten gelöscht. Netzpolitik hat bereits über die diversen Hindernisse beim Ausstieg berichtet.

Viele Benutzer glauben, mit unvollständigen bzw. verfälschten Dateneingaben zum eigenen Namen und Geburtsdatum schon ein ausreichendes Maß an Anonymität gewonnen zu haben. Dies ist nicht der Fall: In Zeiten, in denen das aufgesuchte Social-Network, der Webmail-Dienst, der Karten-Dienst, das Instant-Messenger Protokoll, die (freiwillig installierte!) Browser-Toolbar, 2/3 der Werbeflächen der persönlich fünf meistbesuchten Websites sowie natürlich die am meisten benutzte Suchmaschine der selben Mutterfirma gehören, ist eine nahtlose Verfolgung der privaten Kommunikation und des privaten Konsums aller Benutzer möglich. Vermeintlich illegale Methoden wie z.B. Tracking-Cookies müssen Firmen in solchen Fällen erst gar nicht anwenden - Die Benutzer scheinen den entsprechenden Stellen ihre gesamten Daten freiwillig zu geben!

Google gehören laut eigenen AGB sämtliche Daten, die auf ihren Servern gespeichert werden. Das beinhaltet rein rechtlich auch sämtliche Dokumente und Mails, die Benutzer auf Google-Servern speichern, wenn sie mit GMail oder Google Docs (Textverarbeitung & Tabellenkalkulation) arbeiten. Es ist unglaublich, dass sich kaum jemand fragt, warum Google all diese Dienste kostenlos anbietet.

Wer ein Interesse daran hat, dass die eigenen Daten keine ungewollte Eigendynamik entwickeln, sollte über den Ausstieg aus dem "sozialen" Web 2.0 nachdenken. Außerdem würde es helfen, lokal installierte Open-Source Anwendungen dem AJAX-Web-App von Google & Co. vorzuziehen. Auch offene Protokolle zur Kommunikation wie Jabber für IM oder das SIP-Protokoll für VoIP (an Stelle von Skype!) sind sinnvoll.

Mit nur wenigen Schritten und ohne nennenswerte Einbußen ist zumindest ein Teil des eigenen Fingerabdrucks im Netz wieder unter Kontrolle zu bekommen - Und wann steigt ihr aus?

Geschrieben am 28.09.2007

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2 Kommentare

# 1 von Till am 15.10.2007, 11:22 Uhr

Einen weniger radikal-verweigernden und dennoch dezentralen Ansatz verfolgen Projekte wie www.noserub.com. Derzeit ist es in erster Linie ein SN-Aggregator, geplant ist es aber als dezentrales SN, in dem die Daten auf dem eigenen Server bleiben.

# 2 von Martin am 13.04.2008, 18:36 Uhr

Wisst ihr definitiv, ob die Daten bei den genannten Social-Networks tatsächlich gelöscht sind? Soweit ich das beurteilen kann können die Daten, die bis zum Zeitpunkt der Kündigung auf die Server geflossen sind, weiterhin für Unternehmen verfügbar sein.
Ich habe da schlechte Erfahrung mit diversen Lotterien gemacht, die trotz angeblicher Datenlöschung immer wieder bei mir anrufen.



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