Der Tenor beim 11. Europäischen Polizei-Congress war deutlich: Die Ordnungshüter brauchen mehr IT-Fachkräfte. Laut Klaus Jansen, Mitglied im Bund Deutscher Kriminalbeamter, fehlen der Polizei ca. 4000 sog. Internet-Fahnder, die sich mit den neuen Technologien auskennen und sich in ihnen bewegen können. Diese Fachkräfte müsse die Polizei direkt von den Universitäten weg rekrutieren und dort für ein Umdenken über die Arbeit der Polizei sorgen.
Man müsse verhindern, dass Terroristen ungehinderten Zugang zum Cyberspace haben und nicht immer nur der technologischen Entwicklung hinterher hecheln. Man brauche heute die Denker. Die gingen jedoch lieber zu Firmen wie IBM oder SAP, da dort die Bezahlung besser sei und es für die Informatiker/innen Identifikationsprobleme mit der Polizeiarbeit gebe, bemängelte Jansen.
Rainer Wendt von der Deutschen Polizeigewerkschaft bezeichnete den Polizeiberuf als die schönste Tätigkeit der Welt und äußerte sich gegenüber der Vorbehalte deutscher IT-Fachkräfte enttäuscht. Er könne nicht nachvollziehen dass die so dringend benötigten Informatiker/innen keinen Sinn für den Dienst an der Gemeinschaft hätten.
Doch die Antworten auf das Unverständnis von Jansen und Wendt liegen offen. Ein Polizeibeamter der IT-Abteilung der Berliner Polizei machte es bei seinen Zweifeln an der Online-Durchsuchung via Bundestrojaner deutlich:
Ich frage mich, gegen wen sich das vorgeschlagene Gesetz eigentlich richtet. Wenn wir wissen, dass wir mit unseren Tools nicht gegen die OK [organisierte Kriminalität] und Geldwäsche ankommen, weil die strikt Klartextdateien nur auf separaten Rechnern führen, dann müssen wir uns fragen, was unter dem Deckmantel der terroristischen Bedrohung passiert. Wir produzieren dann nur gemeinte Sicherheit und fangen Otto Normalverbraucher, der mal ein paar Dateien aus dem Netz geladen hat, ob das Nazireden oder Pornografie ist. Da habe ich als Beamter ein großes Problem.
Die Polizei ist für Geeks & Geekinnen nicht nur aus finanziellen Gründen uninteressant. Wie schon an Hand der obigen Äußerung zur Online-Durchsuchung deutlich wird, ist die Polizei heute nichts weiter als der Spielball der Politik. Sie muss den Wirrungen und Irrungen der Regierung Folge leisten und deren Gesetze unhinterfragt forcieren. Die gesuchten "Denker" werden dies kaum als ein attraktives Arbeitsumfeld empfinden - Insbesondere wenn die entsprechenden Entscheidungsträger in der Politik zu der Sorte Mensch gehören, die sich "das Internet" ausdrucken und von der eigenen Sekretärin vorlesen lassen (Schäuble).
Die Deutsche Bundesregierung geht mittlerweile aktiv gegen Geeks & Geekinnen vor, stigmatisiert sie zu Kriminellen und zeigt auch in ihrer sonstigen Performance, dass sie keinerlei Sachverständnis bezüglich des Internets und seiner Philosophie besitzt. Vielmehr ist sie Spielball der Industrie, deren Interessen sie in Gesetzesform bringen soll. Warum sollten Geeks & Geekinnen freiwillig Handlanger einer solchen Regierung werden?
Geschrieben am 06.02.2008




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- treeyesjhonm